Rotmilan - Milvus milvus
(Linnè 1758) Auszug aus eigenem Buch

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Rotmilan - Milvus milvus
(Linnè 1758)

Gawelweihe (Löhlbach)

Brutvogel (Sommervogel), Durchzügler, Überwinterer bzw. Wintergast

Verbreitung
Flächendeckend, selten innerhalb großer geschlossener Waldgebiete. Der Landkreis Waldeck-Frankenberg liegt im Zentrum des Brutgebietes dieses lediglich in Mitteleuropa vorkommenden größten heimischen Greifvogels.

Lebensraum
Brütet fast ausschließlich in lichten Laubwaldalthölzern bzw. noch relativ geschlossenen älteren Laubholzmischwäldern mit einzelnen Kiefern, Lärchen und Fichten; bevorzugt werden Hang- bzw. Gipfellagen.
Bei einer Untersuchung im Kellerwald acht von neun Horsten in Buchenaltholzbeständen mit Hanglage. Alle Horste im Waldrandbereich, zum Teil schon von außen sichtbar (MÖBUS 1976).
Im Diemelseegebiet fand GOTTMANN keinen von 18 Bruthorsten unter 100 m vom Waldrand entfernt.

Horstbäume des Rotmilans (n = 28) im Raum Diemelsee und Battenberg (SCHNEIDER u. a. 1987):
 

Rotbuche: 13
Eiche: 6
Kiefer: 4
Fichte: 3
Lärche:2

Als Extremstandort wurde in einem Fall der Horst im Ausleger eines Hochspannungsmastes errichtet (ES).
Zur Nahrungssuche vorzugsweise über weiten Acker und Grünlandflächen, häufig auch entlang der Straßen auf der Suche nach überfahrenen Tieren.
Weitere Jagdplätze sind Gewässer, Müllplätze und die Ortsränder ländlicher Siedlungen.

Siedlungsdichte und Bestandsentwicklung
Auf einer 164 km² großen Fläche im Kellerwald (Waldanteil: 65 %) ermittelten MÖBUS u. a. in den Jahren 1975 u. 1976 17 bzw. 13 Bp, entsprechend 1 Bp auf 9,6 bzw. 12,6 km². Diese im Vergleich mit anderen Untersuchungen aus dem deutschen Raum sehr dichte Besiedlung (z. B. in Niedersachsen 15 bis 16 Bp auf 400 km² = 1 Bp auf 25 bis 26,6 km², GLUTZ VON BLOTZHEIM u. a. 1971) wird "in der kleinparzellierten Waldlandschaft mit einem großen Angebot an Altholzbeständen in geeigneter Lage" erklärt (MÖBUS 1976; PB, GS, WW, KM).

Hier ist im Buch die  Abb. 1: Bestandsentwicklung des Rotmilans auf zwei Untersuchungsflächen im Raum Diemelsee (82 km²) und Battenberg (68 km²) (SCHNEIDER u. a. 1991 erg.) zw. 1977 u. 1992.
 

Bei langjährigen Probeflächenuntersuchungen (1977 bis 1986) stellten GOTTMANN und SCHNEIDER folgende Durchschnittswerte fest:

Diemelsee (27,2 % Wald; 70,9 % Feld und 1,9 % Ortsanteil): 3,7 Bp auf 82 km² (= 1 Bp auf 22,2 km²)
Battenberg-Laisa (42,6 % Wald; 51 % Feld und 5,8 % Ortsanteil): 3,3 Bp auf 68 km² (= 1 Bp auf 20,6 km²)

Die Ergebnisse der Probeflächenuntersuchungen zeigen, daß der Brutbestand seit Mitte der 70er Jahre etwa stabil geblieben ist (SCHNEIDER u. a. 1987) (Abb. 1).

Jahresphänologie
Der Rotmilan kehrt zeitig im Februar aus seinem Winterquartier in Südwesteuropa zurück. MAI (1981) nennt den 6. Februar als Mittelwert der ersten Beobachtung je Jahr aus 10 Jahren; unter Berücksichtigung der jeweils 5 ersten Jahresbeobachtungen: 18. Februar. Ende Februar/Anfang März sind in der Regel bereits alle Brutreviere besetzt.
Brutbeginn etwa 4 Wochen nach Ankunft im Brutrevier. Der überwiegende Teil der Brutpaare schreitet gegen Ende der 1. und zu Beginn der 2. April-Dekade zur Eiablage. Der größte Teil der Jungvögel fliegt in der 3. Juni und 1. Juli-Dekade aus.
Bald nach dem Flüggewerden der Jungvögel Ende Juni/Anfang Juli lassen sich ganze Familienverbände beobachten: z. B. am 25. Juni 1985 bis zu 18 auf frisch gemähten Heuwiesen zwischen Berghofen und Laisa. SCHOOF beobachtete 1950 am Edersee ab Mitte August regelmäßig abends um 19.00 Uhr 14 Rotmilane am gemeinsamen Schlafplatz einfallend (GEBHARDT u. SUNKEL 1954).
Mit dem herannahenden Herbst neigen die Rotmilane zu noch stärkerer Truppbildung (SCHNEIDER u. a. 1987). Größter bisher festgestellter Trupp: 17. 10. 1987 etwa 120 über Frankenberg (GRÜNDLING).
Bemerkenswert ist auch eine Ansammlung von 98 am 03. 10. 1984 auf einem frisch mit Stallmist gedüngten Acker bei Laisa (HGS).
Der Wegzug beginnt in der Regel Anfang September, erreicht im Oktober seinen Höhepunkt und klingt Anfang November aus.

Hier ist im Buch die Abb. 2: Zugverlauf des Rotmilans von 1963 bis 1987 auf der Korbacher Hochfläche (HANNOVER 1992).
 

EMDE und ENDERLEIN stellten im Rahmen ihrer Zugplanbeobachtungen zwischen 1979 und 1988 von 558 ziehenden Rotmilanen 64,3 % im Oktober fest. Mittelwert der Letztbeobachtungen: 18. Nov.
Den Durchzug des Rotmilans untersuchte HANNOVER (1992) auf der Korbacher Hochfläche.
Das Maximum des Wegzuges lag in der 2. Oktoberdekade und das Maximum des Heimzuges in der 1. Märzdekade (Abb. 2). Während GEBHARDT u. SUNKEL (1954) keine verbürgten Hinweise von überwinternden Rotmilanen vorlagen, sind in den letzten Jahrzehnten verstärkt Winterbeobachtungen gemeldet worden. Eine Auflistung aller Winterdaten (1974 bis 1991) aus dem Kreisgebiet ergibt folgendes Bild (inkl. durchziehender Exemplare).

Dekade:
Ex.:
Dezember
I     II    III
79  18  10
Januar
I     II     III
28  26  12

Gefährdung und Schutz
Rote Liste Waldeck-Frankenberg: Bedroht (3)
Gelegentliche Vernichtung von Bruten durch Holzeinschlag (zwei Fälle im Bereich Battenberg-Laisa).
Erhaltung von Laub- und Mischwald-Altholzbeständen als Brutplätze. Schleichende Vergiftung durch Pestizide (KALDEN 1983); Verzicht auf Auslegen von Giftweizen für Feldmäuse.

Offene Fragen/Anregungen
Zeichnet sich eine zunehmende Tendenz zur Überwinterung ab?

Heinz-Günther Schneider



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