Der Gartenrotschwanz, 
war in Edertal seit 10 Jahren 
ausgestorben, aber die neue
Zählung 2011 gibt Hoffnung

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Foto: NABU/Blickwinkel/McPhoto

(Hinweis: Dieser Artikel wurde vor der Zählung 2011 verfasst)
Vogel des Jahres 2011 

Der Gartenrotschwanz (Phoenicurus phoenicurus) 
 

Beschreibung:
Das Gartenrotschwanz-Männchen ist sehr kontrastreich gefärbt. Es hat eine weiße Stirn, eine schwarze Kehle und einen grauen Rücken. Die Brust ist orange und der Schwanz, ähnlich wie beim Hausrotschwanz, rot-orange. Das Weibchen hat ein beige-weißes Brustgefieder, einen graubraunen Rücken und ebenfalls rote Schwanzfedern. 
Gartenrotschwänze suchen nach der Rückkehr aus dem Überwinterungsgebiet, das sich südlich der Sahara befindet, sofort Revier. Dabei nehmen sie gerne die Reviere des Vorjahres an. Durchschnittliches Ankunftsdatum in Waldeck-Frankenberg (Zeitraum 1981 bis 2007) ist der 19.04. (SOMMERHAGE 2009).
Der Gartenrotschwanz fängt etwa eine Stunde vor Sonnenaufgang an zu singen. Er ist Höhlenbrüter, bevorzugt also Gebiete mit alten Bäumen (s. u.). Das Weibchen sucht die Bruthöhle aus, baut ein Nest und bebrütet die  Eier ca. 13 bis 14 Tage. Nach 12 bis 14 Tagen fliegen die Jungvögel aus und lassen sich zunächst noch von den Altvögeln füttern. Nach kurzer Zeit müssen sie sich allerdings selber ernähren, da die Altvögel ggf. eine Zweitbrut beginnen.
Die Nahrung des Gartenrotschwanzes besteht aus Insekten, vor allem Hautflüglern, Schmetterlingen und Raupen. 

Lebensraum:
Der Gartenrotschwanz bewohnt halboffene Landschaften, z.B. naturnahe Gärten, Parks und Friedhöfe sowie ältere Streuobstwiesen mit Höhlenbäumen. In der Avifauna des Kreises Waldeck-Frankenberg werden auch Wälder (Eichen- und Buchenalthölzer) als Bruthabitate aufgeführt (KUHNHENNE in ENDERLEIN u. a. 1993), die allerdings licht sein müssen. In den letzten Jahren sind  kaum noch Brutplätze in Wäldern bekannt geworden. Deshalb sollte gezielt darauf geachtet werden.

Verbreitung in Waldeck-Frankenberg:
Der Gartenrotschwanz hat früher Waldeck-Frankenberg flächendeckend besiedelt, war jedoch im Waldeckischen Upland oberhalb von 400 m ü. NN nur seltener Brutvogel (KUHNHENNE in ENDERLEIN u.a. 1993). Der höchste Brutplatz lag bei 500 m ü. NN am Friedhof von Eimelrod (1983) (HANNOVER 1985).  Auf einer Höhe von 780 m ü. NN, im NSG Alter Hagen bei Willingen, wurde aber noch Gesang gehört (21. u. 22.05.1977)  (SPERNER 1978). Mittlerweile kommt der Gartenrotschwanz nur noch vereinzelt im Kreisgebiet vor. Im Jahr 2009 wurden nur aus Bad Arolsen, Bad Wildungen, Battenberg, Allendorf und Rosenthal Reviere bekannt. 
Im Bereich der Gemeinde Edertal (Giflitz) wurde zuletzt im Jahr 2000 ein Gartenrotschwanz-Revier festgestellt. (W. LÜBCKE)

Bestandsentwicklung:
Hessenweit lassen sich Verbreitungsschwerpunkte in den südhessischen Niederungen und im westlichen Mittelhessen erkennen. In Nordhessen kommt der Gartenrotschwanz spärlicher vor, abgesehen vom Umfeld des Kassler Stadtgebietes. Ab Mitte der 1950er-Jahre war ein Bestandsrückgang festzustellen, der sich in den 1960er- und 1970er-Jahren verschärfte. Eine Ursache dafür war der Einsatz von Insektengiften in den Überwinterungsgebieten. Außerdem wurden vielerorts alte Obstbestände durch Ausweisung neuer Bau- oder Gewerbegebiete vernichtet. 
Seit Ende der 1990er-Jahre ist eine Stabilisierung der Bestände zu beobachten, in Hessen kann sogar eine leichte Zunahme verzeichnet werden (STÜBING u. a. 2010).
Im Rahmen der ADEBAR-Kartierung konnten in Hessen 2.500 bis 4.500 Reviere festgestellt werden (STÜBING u. a. 2010). Auf Bundesebene wird der Bestand auf 110.000 bis 160.000 Reviere geschätzt (NABU & BLV 2010).
Auch im Landkreis Waldeck-Frankenberg setzte ab den 1960er-Jahren ein Bestandsrückgang ein (EMDE 1980 u. HANNOVER 1985). 1975  wurden aber noch 40 Bruten  gemeldet. Ab Anfang der 1980er-Jahre war der Rückgang dramatisch. Zwischen 1985 und 1989 wurden nur noch neun Bruten und drei Bruthinweisen bekannt (KUHNHENNE in ENDERLEIN u.a. 1993). 1990 und 1991 konnten wieder bis zu 18 Bruten und 4 Bruthinweise nachgewiesen werden, aber 1992 lagen die gemeldeten Zahlen wieder bei sieben Bruten und drei Bruthinweisen. Die Zahl von 15 Revieren im Jahr 2008 ist sicher auf die intensivere Nachsuche im Rahmen der ADEBAR-Kartierung zurückzuführen. Auch auf verschiedenen Untersuchungsflächen wurde der Rückgang mehr als deutlich: 1983 gab es beispielsweise im Stadtgebiet von Bad Wildungen (ca. 450 ha) nach Falko EMDE 15 Brutpaare, 1991 noch mindestens sechs und 2009 - allerdings bei nicht systematischen Kontrollen - gar nur noch zwei Meldungen von Gartenrotschwanz-Revieren.  Während Michael LAY in Rosenthal 2005 noch fünf Reviere ermitteln konnte, war es 2009 nur noch ein einziges. Entgegen dem  hessischen Trend zeigt offensichtlich die Bestandskurve in Waldeck-Frankenberg weiterhin nach unten. Zwischen den Jahren 2000 und 2009 konnten durchschnittlich pro Jahr nur elf Bruten bzw. Bruthinweise erbracht werden. 

Gefährdung und Schutz: (NABU & BLV 2010)
Die Sahara in Afrika dehnt sich durch den Klimawandel immer weiter nach Süden aus. Daher wird der Zugweg des Gartenrotschwanzes in sein Überwinterungsgebiet immer länger, und wenn die Vögel für dessen Bewältigung nicht genug Energie haben, gehen sie entkräftet zu Boden. Außerdem sorgt der Klimawandel dafür, dass sich die Insekten im Brutgebiet früher entwickeln und der Nachwuchs in der Zeit nach dem maximalen Nahrungsangebot schlüpft. Die illegale Vogeljagd in den Mittelmeerstaaten ist ebenfalls ein großes Problem. Hinzu kommt, dass in den letzten Jahrzehnten die geeigneten Lebensräume im Brutgebiet - insbesondere die Streuobstwiesen - immer mehr verschwanden. Außerdem nimmt der Einsatz von Insektengiften dem Gartenrotschwanz die Nahrungsgrundlage. 
Wichtigste Schutzmaßnahme für den Gartenrotschwanz ist es, dafür sorgen, dass die Gebiete, wo er noch als Brutvogel anzutreffen ist, vor einer landschaftlichen Veränderung bewahrt werden. Das gilt vor allem für alte hochstämmige Obstbäumen, da in ihnen sich viele Bruthöhlen bilden und sie gute Jagdmöglichkeiten nach Insekten bieten. In den Streuobstwiesen sollte die Mahd den Bedürfnissen des Gartenrotschwanzes angepasst sein, nämlich etappenweise und kleinflächig, da er eine vielfältige Pflanzenwelt und eine unterschiedlich hohe Vegetationsstruktur benötigt, um dort optimal jagen zu können.
Außerdem sollte man in Parks oder Dörfern für mehr Vielfältigkeit sorgen und nicht alles „aufräumen“. Es kann schon reichen, alte Bäume stehen zu lassen, heimische Gehölze zu pflanzen und vor allem auf Insektengifte. zu verzichten. 
Spezielle Nistkästen können häufig die Wohnungsnot des Gartenrotschwanzes mindern.

Literatur
EMDE, F. (1980): Ein weiterer Fall von Bigamie des Gartenrotschwanzes (Phoenicurus 
phoenicurus). Vogelkundl. Hefte Edertal 6: 97
ENDERLEIN, R., LÜBCKE, W. u. M. SCHÄFER (1993): Vogelwelt zwischen 
Eder und Diemel. Avifauna des Landkreises Waldeck-Frankenberg. Korbach 
HANNOVER, B. (1985): Zur Höhenverbreitung einiger Vogelarten im Waldeckischen 
Upland – 2. Teil. Vogelkundl. Hefte Edertal 11: 5-36 
NABU & LBV (2010): Der Gartenrotschwanz. Vogel des Jahres 2011. Broschüre des NABU-Bundesverbandes. Berlin
SOMMERHAGE, M. (2009): Langfristige Veränderungen von Erst- und Letztbeobachtungen von Zugvögeln im Landkreis Waldeck-Frankenberg (Nordhessen). Vogelkundl. Hefte Edertal 35: 7 – 22. 
SPERNER, K. (1978): Ornithologisches Wochenende im Waldeckischen Upland. 
Vogelkundl. Hefte Edertal 4: 127 – 130.
STÜBING, S., KORN, M., KREUZIGER, J. u. M. WERNER. (2010): Vögel in Hessen. 
Hrsg. HGON, Echzell

Verfasser:
Michael Wimbauer, Bad Wildungen
Michael-Wimbauer{at}NABU-Waldeck-Frankenberg.de



 
 
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