Der Habicht 
(Accipiter genitils) 

Ordnung: Accipitriformes (Greifvögel)
Familie: Accipitridae (Habichtverwandte/-artige)
Gattung: Accipiter (Habichte)
Art: gentilis (Habicht) 

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Der Habicht ist Vogel des Jahres 2015 

Nachdem der Grünspecht 2014 Vogel des Jahres war, hat der Naturschutzbund Deutschland (NABU) für 2015 eine Greifvogelart zum Vogel des Jahres gewählt. Es ist der Habicht. 

Der in Edertaler Mundart „Hobch“ genannte Vogel war früher, als man seine ökologische Funktion im Naturhaushalt noch verkannte, als „Hühnerhabicht“ verfemt. Sicherlich holt er sich auch mal ein Huhn oder eine Brieftaube, seine Hauptnahrung sind aber wild lebende Stadttauben sowie Krähen, von denen es viele gibt. Durch das große Angebot an Stadttauben entwickelt sich der Habicht mancherorts von einem scheuen Waldbewohner zum Brutvogel in Parks und auf Friedhöfen. Eine der höchsten Siedlungsdichten weltweit erreicht er in Berlin mit etwa 100 Brutpaaren. 

In Waldeck-Frankenberg ist der Habicht nach wie vor ein relativ seltener Bewohner des Waldes. Dort jagt er hauptsächlich während der Brutzeit. Außerhalb der Brutzeit ist er häufiger auch in der offenen, mit Hecken und Kleingehölzen durchzogenen Landschaft sowie am Rande der Siedlungen anzutreffen. 

Woran man einen Habicht erkennen kann 

Den Unterschied zum viel häufigeren Mäusebussard kann man gut durch eine „Eselsbrücke“ - so werden Merkhilfen genannt - in Erinnerung behalten. Der Buchstabe u in Bussard steht für einen kurzen und runden Schwanz, in der Falknersprache auch Stoß genannt. Das a im Habicht ist Merkhilfe für einen langen und schmalen Stoß. Der lange Stoß ermöglicht dem Habicht ein sehr rasches und wendiges Steuern zwischen Bäumen hindurch. Er ist somit hervorragend an seinen Lebensraum Wald angepasst. Am ehesten ist ein Habicht mit seinem kleineren Vetter, dem Sperber, zu verwechseln. Insbesondere ähnelt das Habicht-Männchen von der Größe her dem Sperber-Weibchen. Denn wie bei den meisten Greifvögeln sind die männlichen Tiere durchschnittlich kleiner und leichter als die Weibchen. So kommt es, dass der Größenunterschied zwischen einem Habicht-Männchen und einem Sperbermännchen nahezu gleich ist. Will man den fliegenden Vogel sicher bestimmen, ist ein rascher Blick auf das Schwanzende wichtig. Im Gegensatz zum Habicht wirkt dessen Ende gerade abgeschnitten. Die Oberseite des Habichts ist grau, Brust und Bauch sind weiß mit schmalen schwarzen Querstreifen gemustert, eine Zeichnung, die man nach dem Sperber auch „Sperberung“ nennt. 

Den Jungvögeln fehlt diese Sperberung, ihre hell-rostbraune Unterseite weist dunkle Tropfenflecke auf. Außerdem ist die Oberseite rotbraun, weshalb junge Habichte auch Rothabichte genannt werden. Auf diese Weise ergibt sich eine gewisse Ähnlichkeit mit einem jungen Wanderfalken. 

In der Nachkriegszeit, als die Bejagung des Habichts noch erlaubt war, wurde das bei Affoldern einem jungen Wanderfalken zum Verhängnis. Im Dorf tauchte immer wieder ein Habicht auf, der sich auf Haushühner als Jagdbeute spezialisiert hatte. Da er immer aus dem oberhalb des Ortes gelegen Waldgebiet anflog, nannten ihn die Dorfbewohner „Mörder vom Michelskopf“, nach der höchsten Erhebung zwischen Affoldern und Buhlen. Eines Tages kam ein junger Forstbeamter, der mit Kriegsende aus dem Osten vertrieben worden war und die heimische Vogelwelt nicht so gut kannte, zum Forstamt Affoldern und zeigte stolz seine Jagdbeute vor mit den Worten: „Herr Forstmeister, hier habe ich den Mörder vom Michelkopf!“ Es war jedoch kein Habicht, sondern ein junger Wanderfalke. Er war von dem Wildunger Ornithologen Eduard Schoof am Edersee beringt worden. Der präparierte Vogel befand sich viele Jahre in der inzwischen leider aufgelösten Sammlung des Gustav-Stresemann-Gymnasiums. Diese verdankte ihren Grundstock der Sammelleidenschaft der Bergheimer Grafen und galt hessenweit als eine der bedeutendsten Schulsammlungen. 

Bestandssituation des Habichts in Hessen und Waldeck-Frankenberg 

In Hessen ist der Habicht mit 800 bis 1200 Brutrevieren noch flächendeckend vertreten. Aufgrund illegaler Verfolgung, Verlusten von Horst-Standorten durch Forstarbeiten und Störungen während der Brutzeit wurde er aber in die Vorwarnliste der hessischen Roten Liste gefährdeter Arten aufgenommen. Der Habicht ist eine so genannte Verantwortungsart unseres Bundeslands, da Hessen über zehn Prozent des bundesweiten Bestands beherbergt. 

Aktuelle Zahlen über den Brutbestand des Habichts in Waldeck-Frankenberg gibt es leider nicht. Auf einer 82 Quadratkilometer großen Probefläche im Raum Diemelsee ermittelte Alfred Gottmann (Benkhausen) in den Jahren 1977 bis 1987 durchschnittlich drei Brutpaare. Nach den Meldungen im Internetportal www.ornitho.de zu urteilen, scheint der Habicht-Bestand kreisweit rückläufig zu sein. 

Zusammen mit Wespenbussard, Wanderfalke und Baumfalke gehört er zu den selteneren Vertretern der heimischen Brutvogelwelt. Seine Siedlungsdichte in den waldreichen Mittelgebirgslagen ist jedoch deutlich höher als in offenen Niederungen. So brütet der Habicht auch mit drei bis vier Paaren im Nationalpark Kellerwald-Edersee.
 
 

Wolfgang Lübcke

 



 
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