Der Uhu ist wieder heimischer Greifvogel in Edertal

Der Uhu – Vogel des Jahres 2005

Historisches vom Uhu im Kreis Waldeck-Frankenberg

Schon in der 1849 erschienenen „Geschichte der Jagd und der Falknerei in den beiden Hessen“ von Georg Landau wird der Uhu als Brutvogel in der Umgebung von Wildungen genannt: am Bilstein und in der Nähe von Affoldern. Von dem Grafen Georg von Waldeck zu Bergheim wissen wir, dass der Uhu bis 1910 in den Zechsteinklippen zwischen Affoldern und Lieschensruh gebrütet hat.
 

Woher der Uhu aus der Schulsammlung des GSG stammt 

In den Revieren der Bergheimer Grafen wurden in den Jahren 1884, 1885 und 1893 je ein Uhu erlegt. Einer davon befindet sich in der ornithologischen Sammlung des Gustav-Stresemann-Gymnasiums. Lange Zeit galt unsere größte heimische Eulenart in Hessen als seit 
1910 ausgestorben. Im Waldecker Upland soll sie sie noch 1914 gebrütet haben. Und 1938 ist sogar noch eine Brut bei Frankenberg verbürgt, die aber trotz intensiver Schutzbemühungen nicht erfolgreich war.

Der Uhu als Jagdgehilfe

Früher wurde der Uhu auch bei uns für die Hüttenjagd auf Krähen benutzt. Er wurde dazu auf einem Pflock (Jule) angebunden. Aus einer Deckung heraus konnten dann die auf die Großeule hassenden Krähen geschossen werden. In den Jahren nach dem letzten Kriege übte der Sägewerksbesitzer Johannes Paul, der die Gemeindejagden in Wellen, Anraff, Giflitz und Altwildungen gepachtet hatte, diese Jagdart aus. Später wurde die Hüttenjagd mit dem Uhu verboten. Die „pensionierten“ Uhus  dienten als Zuchtvögel, deren Nachkommen ausgewildert wurden.
 

Wie steht es heute um den Uhu in Waldeck-Frankenberg?

Seit 1979 bereichert der Uhu wieder die heimische Vogelwelt. Während andere bei uns einst ausgestorbene Vogelarten wie z. B. der Schwarzstorch zuerst wieder an überlieferten Brutplätzen angetroffen wurden, stimmen sämtliche aus neuerer Zeit gemeldeten Uhu-Brutplätze nicht mit historischen Angaben überein.
 

Wo man sich über den Uhu informieren kann 

In den „Vogelkundlichen Heften Edertal“, die alljährlich für unser Kreisgebiet erscheinen, werden aus Schutzgründen keine aktuellen Brutplätze mitgeteilt. Schließlich wird der Uhu in der „ Roten Liste der bestandsgefährdeten Vogelarten im Landkreis Waldeck-Frankenberg“ in der höchsten Kategorie geführt. Man kann sich jedoch dort über die Bestandsentwicklung informieren. Während 1989 nur zwei Brutpaare bekannt waren, dürften es 2004 acht bis zehn Brutpaare gewesen sein. Zwar werden lediglich vier Brutnachweise und zweimal Brutverdacht gemeldet, berücksichtigt man aber die an anderen Orten in den Vorjahren und bereits in diesem Jahr bekannt gewordenen Uhureviere, erscheint die Zahl von acht bis zehn Brutpaaren nicht unrealistisch. In die Rubrik „besonders bemerkenswert“ fällt eine Baumbrut in Nordwaldeck, die auf einem ehemaligen Greifvogelhorst erfolgte.
 

Gefährdung und Schutz 

Leider werden immer wieder tote Uhus gefunden; es handelt sich oft um Verkehrsopfer oder um Vögel, die an Stromleitungen umkommen. Einer ist an einem mit Seilen (wohl zur Abwehr von Reihern) überspannten Teich ertrunken. Im Jahre 2003 wurde ein toter Uhu gefunden, der 1985 aus einer Zucht bei Göttingen ausgewildert worden war.
Eine besondere Bedeutung als Uhu-Brutplätze haben ehemalige oder noch im Betrieb befindliche Steinbrüche. Der Uhu ist auch Brutvogel im Nationalpark Kellerwald-Edersee.
Um den Schutz des Uhus in Waldeck-Frankenberg bemühen sich Mitarbeiter des Naturschutzbundes (NABU).

NABU Edertal


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