Der Kuckuck 
Vogel des Jahres 2008 
auch im Edertal zu Hause


Abgesehen von ausgeräumten Agrarlandschaften ist der Kuckuck in Waldeck-Frankenberg noch über das ganze Kreisgebiet verbreitetet, aber relativ selten.

Schwerpunktmäßig kommt er in den Flussniederungen, insbesondere im unteren Edertal vor. Rufnachweise gibt es aber auch aus den höchsten Lagen, bis hin zu 840 m über NN auf dem Langenberg bei Willingen (11.6.1996).

Seit Ende der 1960er Jahre ging der Bestand in Deutschland deutlich zurück und der negative Trend hält leider an. Eine Ursache für den Rückgang des Kuckucks ist der Mangel an Wirtsvögeln. Denn er besitzt eine ausgesprochene Prägung auf bestimmte Wirtsvogelarten, d. h. das Weibchen legt seine Eier immer in die Nester einer bestimmten Vogelspezies. Eine weitere wesentliche Gefährdungsursache ist der zunehmende Mangel an Großinsekten, insbesondere Schmetterlingen, deren Raupen auf bestimmte Futterpflanzen angewiesen sind. Der populäre Vogel braucht also eine reich strukturierte, giftfreie Kulturlandschaft. Auf der Roten Liste für Waldeck-Frankenberg ist er als gefährdet eingestuft.

Eine kreisweite Erfassung des Bestandes hatte bereits 1998 Eckhard Richter initiiert. Über die Presse rief er mit bemerkenswertem Echo die Bevölkerung auf, Beobachtungen des Kuckucks mitzuteilen. Außerdem waren die Revierförstereien in diese Aktion einbezogen. Als Brutreviere wurden alle Sichtbeobachtungen und Mitteilungen rufender Vögel ab dem 20. Mai gewertet, da erst zu diesem Zeitpunkt die skandinavische Population weitgehend durchgezogen ist. Immerhin kamen auf diese Weise 65 Brutzeitmeldungen zusammen und es wurden sogar Jungkuckucke bei drei Wirtsvogelpaaren gemeldet.

Auch aktuelle Ergebnisse der bundesweiten Brutvogelkartierung ADEBAR in Waldeck-Frankenberg deuten darauf hin, dass der Kuckuck nicht ganz so selten ist wie bisher angenommen. Philipp Becker meldete 2005 aus dem Bereich des Messtischblatt-Viertels 4719/I Korbach sechs Reviere und eine gemeinsame Kartierungsaktion der Waldeck-Frankenberger Ornithologen am 19. Mai 2007 (also einen Tag vor dem oben genannten Stichtag) auf einer Fläche von 40 qkm im Bereich des MTB 4619 Mengeringhausen ergab die überraschende Anzahl von zehn rufenden Kuckucken.

Die mittlere Erstankunft der Insekten fressenden Langstreckenziehers - ihr Winterquartier reicht bis nach Südafrika - war in den Jahren 1971 bis 1980 der 14. April unter Berücksichtigung der fünf ersten Beobachtungen (H. Mai). Die bisherigen Extremdaten sind der 4.4. (2003) und der 21.10. (1974). Rufaktivität war von den Extremdaten her in dem Zeitraum vom 6.4. (2003) bis 2.8. (2006) zu vernehmen. Normalerweise lassen sich die ersten Vögel Ende April hören. Die Rufaktivität hält in der Regel bis Ende Juni, in manchen Jahren auch Anfang Juli an. Der früheste Nachweis eines Jungkuckucks erfolgte am 8.6.1984. In einem Backsteinstapel auf dem Hof der Bergheimer Edermühle stopfte unermüdlich ein Bachstelzenpaar Schmetterlingsraupen in den leuchtend roten Rachen des jungen Kuckucks, der das ganze Nest seiner Wirtsvögel ausfüllte.

Seit Erscheinen der Vogelkundlichen Hefte Edertal (Nr. 1/1975) sind in Waldeck-Frankenberg folgende Vogelarten als Kuckuckswirte dokumentiert:
Bachstelze: 6
Sumpfrohrsänger: 1 (+ 1 Bruthinweis)
Rotkehlchen: (+ 1 Bruthinweis)
Amsel: 1
Hausrotschwanz: 1

Wenn man das Glück hat, den turmfalkengroßen, schlanken Kuckuck durch das Fernglas zu sehen, sollte man auf seine Färbung achten. Es gibt nämlich zwei Varianten: eine graue und eine braune Phase (adulte Weibchen, sehr selten auch Männchen). Die Auswertung der bisherigen Meldungen im Kreisgebiet ergab ein Verhältnis von 4 : 1 zwischen grauen und braunen Kuckucken. Die Rufe sind auch nachts zu hören.

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) führt 2008 eine bundesweite Bestandserhebung des Kuckucks durch. Daran beteiligt sich auch der NABU-Waldeck-Frankenberg. Alle Naturfreunde sind aufgerufen, ihre Kuckuckbeobachtungen unter genauer Angabe des Ortes und Datums mitzuteilen. Der einfachste Weg ist, die Eintragung auf der Internetseite www.nabu-waldeck-frankenberg.de . Meldungen nehmen aber auch die NABU-Gruppen und bekannte Ornithologen entgegen.


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