Edertaler Störche

Bild: Hermann Sonderhüsken
Die beiden Altvögel am 20. August auf einem Feld zwischen der Eder und Wellen. 
 

Das Jahr der Edertaler Weißstörche 2016

Am 1. März kommt das Edertaler Weißstorch-Paar – erstmalig gemeinsam – zurück auf den Horst an der Wesemündung. Das Weibchen wurde am 6. Juni 2008 im Zoo von Basel beringt: HES-SE-142. Die erste Paarung wurde am 7. März beobachtet. Üblicherweise erfolgt die Paarung immer direkt nach der Ankunft des Weibchens, das sonst etwa zwei Wochen nach dem Männchen heimgekehrt. Diesmal haben die beiden sich offensichtlich schon unterwegs gepaart.

Am 17. März sorgt ab dem Vormittag ein Fremdstorch für viel Aufregung beim Storchenpaar. Mittags gibt es dann einen heftiger Luftkampf mit dem Männchen. Danach übernimmt der beringte Fremdstorch den Horst. Beringt mit den Daten DER AL935, wurde er am 8. Juni 2013 als Nestling im Dorf Freistett, das ist etwa 60 Kilometer südlich von Karlsruhe.

Das Weibchen ist noch am selben Tag auf den Horst zurückgekehrt, die erste von vielen Paarungen mit dem neuen Männchen wurde am 18. März beobachtet. Der am Verhalten der Störche deutlich zu sehende Brutbeginn war am 6. April und das erste von drei Jungen ist nach der üblichen Brutzeit von gut einem Monat am 8. Mai geschlüpft. Auch dies sieht man deutlich am Verhalten der Altstörche. Die Jungen haben sich – wie immer in den Jahren seit der Wiederansiedlung der Störche im Edertal im Jahr 2008 – sehr gut entwickelt. Das ist ein deutliches Zeichen für das gute Futterangebot in unserer Region. Die Edertaler Störche fangen von Würmern und Käfern über Mäuse bis hin zu Ratten und Maulwürfen alles, was ihnen auf den Wiesen und Feldern zwischen Affoldern und Wellen vor die Schnäbel kommt. Frösche stehen nicht auf dem Speiseplan, die Hauptnahrung sind die reichlich vorhandenen Mäuse.

Ab dem 29. Mai konnten die vielen Freunde der Edertaler Störche deutliches Flattern der Jungen beobachten. Seit dem 9. Juni waren die Jungen dann meist allein im Horst. Sie waren zu der Zeit schon so groß, dass die Eltern eine Gefahr durch Greifvögel ausschließen konnten. Außerdem hatten die beiden Altvögel reichlich damit zu tun, den großen Hunger der Jungen zu befriedigen.

Das erste deutliche Abheben eines Jungen vom Horst wurde am 1. Juli beobachtet. Am späten Vormittag des 15. Juli sind die drei Jungstörche vom Horst abgeflogen, das ist bisher noch nicht passiert. Üblicherweise fliegt das kräftigste Junge beim ersten Abfliegen lediglich eine kleine Runde. In diesem Jahr waren die drei Jungen dagegen über eine halbe Stunde beim Segeln hoch über dem Horst zu sehen. Danach konnte man sie mit den Eltern auf der Wiese zwischen Bahndamm und Bergheimer Straße bei der ersten gemeinsamen Futtersuche sehen.

Die Jungen wurden letztmalig am 7. August in unserer Region gesehen. Üblicherweise sammeln sich Jungstörche zu größeren Gruppen, um dann gemeinsam ins Winterquartier nach Spanien zu fliegen. Die Altstörche sind vom Edertaler NABU-Vorsitzenden Wolfgang Lübcke letztmalig am 29. August gemeinsam beobachtet worden. Lübcke hat dann am 3. September das Männchen noch einmal allein auf der Teichinsel im Naturschutzgebiet Krautwiese gesehen. Überraschend wurde das Männchen aber auch noch am 5. September im Bereich Wabern gesehen und fotografiert. Zu erwarten ist jetzt, dass unsere Edertaler Störche im Februar/März des nächsten Jahres als Frühlingsboten zu uns zurückkehren.

Hermann Sonderhüsken


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