Jahresvogel 2018

 

Star im Winterkleid, „Perlstar“ genannt
Der Star – Vogel des Jahres 2018 (lat. Sturnus vulgaris)

Zu den imposantesten Bildern, die der Vogelbeobachter im Herbst erleben kann,  gehören die riesigen Starenschwärme von manchmal mehreren tausend Staren am Schlafplatz. Gern versammeln sich die Vögel zunächst auf Bäumen oder Leitungsdrähten. Die dicht gedrängten Schwarmwolken wogen dann etwa eine Stunde vor Sonnenuntergang über Weiden- oder Erlengebüsch sowie Röhricht hin und her, vollführen rasante Schwenks, um dann schließlich schlagartig am Schlafplatz einzufallen. Aus der Nähe ist dort ein vielstimmiges, schwirrendes Geschwätz zu hören.
Immer wieder erstaunt es, dass bei den Flugmanövern keine Zusammenstöße  vorkommen. Forscher haben herausgefunden, dass sich ein Star im Schwarm an bis zu sieben Nachbarvögeln orientiert, um so auch bei hoher Geschwindigkeit immer die gleiche Position einzuhalten.

In dem Buch „Vogelwelt zwischen Eder und Diemel“, das im Jahr 1993 erschienen ist, werden eindrucksvolle Beispiele für herbstliche Schlafplatzansammlungen genannt, die natürlich nur grob geschätzt werden können. Das Maximum hat Bernd Hannover mit 200.000 vom Oktober 1984 an „Krolls Teich“ bei Korbach gemeldet. Eine solche Größenordnung ist in Waldeck-Frankenberg mit seinen relativ kleinen Feuchtgebieten eine absolute Ausnahme. Aber etliche tausend Vögel wurden öfters geschätzt, vor allem an den Kiesbaggerteichen im unteren Edertal: 8000 im September 1988 zwischen Wega und Mandern oder bis zu 5000 im August 1993 im NSG „Krautwiese am Wesebach“ bei Giflitz. Aktuell werden nur noch einige hundert Stare an den Schlafplätzen im Kreisgebiet beobachtet. Das spiegelt auch für Waldeck-Frankenberg den starken Rückgang dieser Vogelart. 

Deutschland hat in nur 12 Jahren 12,7 Mio Vogelbrutpaare verloren (15 %).
Der stärkste Rückgang ist mit 42 Prozent beim Star zu verzeichnen. 1998 waren es 6,1 Mio Brutpaare, 2009 nur noch 3,5 Mio.

Aktuelle Siedlungsdichteuntersuchungen aus dem Kreisgebiet fehlen und wären angesichts des deutschlandweiten Rückgangs sehr wünschenswert.
Im Waldecker Berg bei Korbach, einem parkähnlichen Mischwald  mit einer Größe von 24 ha, brüteten nach Angaben von Bernd Hannover im Zeitraum 1962 bis 1966 durchschnittlich 2,2 Brutpaare mit einem Maximum von 7 Brutpaaren.
Zwischen 1980 und 1987 ermittelte Bernd Hannover auf einem 210 ha großen Wiesen-Feld-Gelände zwischen Korbach und Lelbach durchschnittlich 9,4 Brutpaare, das sind 0,45 pro 10 ha. 

Ein ungewöhnlich frühes Gesangsdatum meldete Reinhard Eckstein vom 1. Januar 1989 aus dem NSG „Stadtbruch bei Volkmarsen“. Das Brutgeschäft beginnt in manchen Jahren schon Ende Februar. So beobachtete Wolfgang Lübcke am 20. Februar 1991, wie ein Star altes Nistmaterial aus den Dachsparren eines Hauses in Giflitz heraus warf. Ab Ende Mai sind an den Schlafplätzen bereits Trupps von Jungvögeln zu beobachten. Brutorttreue ist durch mehrere Wiederfänge am Beringungsort belegt.

Die herbstlichen Zugplanbeobachtungen von Falko Emde und Ralf Enderlein in den Jahren 1979 bis 1988 ergaben ein Maximum im Oktober mit 80 Prozent aller beobachteten Tiere. Es fällt auf, dass im Oktober im Gegensatz zum September vermehrt und in größerer Anzahl Stare gemeldet werden. Das spricht für Durchzügler aus Nord- und Nordosteuropa.

Auch im Winter lassen sich Stare im Kreisgebiet beobachten, meist in kleinerer Anzahl und oft an Fallobst, auch an Fütterungen.
Im Winter (Dezember/Januar) 2016/17 wurden nach ornitho.de nur zwei Ansammlungen von mindestens hundert Staren beobachtet: 

12.01.2017: ca. 100 in Anraff (Falk Paltinat)
14.01.2017: ca. 350 bei Kleinern (Wolfgang Lübcke) 

Bei den Winterbeobachtungen dürfte es sich ebenso wie bei den Durchzüglern im Oktober überwiegend um Zuzügler aus nord- oder nordosteuropäischen Populationen handeln, während die heimischen Brutvögel insbesondere nach Frankreich und Spanien ziehen. Dazu beispielhaft zwei Ringfunde:
Ein am 26. Mai 1955 von Eduard Schoof bei Anraff beringter Star wurde am 10. März 1956 tot gefunden in Vilabertran, Spanien.
Einen am 18. Februar 1979 in Uccle, Belgien, beringten Vogel fand Ralf Enderlein am 24. Juli 1981 tot bei Korbach.

Hauptursachen für die Gefährdung des Stars sind Nahrungsmangel und fehlende Brutplätze. Früher hingen in unseren Dörfern an vielen Scheunengiebeln manchmal drei bis vier Starenkästen. Das sieht man leider heute kaum noch.
Es sollten deshalb insbesondere in den Ortschaften vermehrt Nistkästen mit einem Fluglochdurchmesser von 45 mm aufgehängt werden.
Eine spannende Hilfsmöglichkeit sind Starenhäuser, denn Stare brüten durchaus gern gesellig. Die Initiative zur Errichtung von  bisher zwei Starenhäusern im Kreisgebiet ging von Günter Faust und Karl-Heinz Bastet (Frankenberg) aus aufgrund einer Anregung beim NABU Biedenkopf.
- am NSG „Auf dem Tiergarten bei Frankenberg“
- in der Ederaue von Rennertehausen
Gebaut hat die beiden Starenhäuser in vorbildlicher Weise der Lehrbauhof in Frankenberg. Beide Häuser haben 26 Brutmöglichkeiten. 2017 gab es folgende Belegungen durch Stare:
- Tiergarten 18-20
- Rennertehausen: 8-10
Die genaue Anzahl der besetzten Nisthöhlen ist schwierig zu ermitteln.

Wolfgang Lübcke
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Stare an Fütterung in Bergheim, 12.03.2013


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