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Es stand in der Waldeckischen Landeszeitung am 31. August 2000


 
Exkursion des Naturschutzbundes im Naturschutzgebiet "Zechsteinhänge" zwischen Buhlen und Mehlen

Ziegen und Schafe sind die Landschaftspfleger
 

Gefranster Enzian  Gentianella  ciliata
EDERTAL (r).   Die "Zechsteinhänge bei Lieschensruh" zeichnen sich durch viele seltene Pflanzen- und Insektenarten aus. In dieses Edertaler Naturschutzgebiet führte diesmal die NABU-Wanderung unter Leitung von Bernd Hannover (Bad Wildungen) und Revierförster Franz-Josef Göllner (Wellen). 

Die Zechsteinhänge zwischen Buhlen und Mehlen gehören zu den offenen Hügellandschaften auf Muschelkalk und Zechstein, welche sich in unserem Kreisgebiet von der Diemel über Volkmarsen bis hin in das Werbe- und Netzetal sowie den Wildunger Raum erstrecken. Sie liegen im niederschlagsärmsten Gebiet des Kreises 
Waldeck-Frankenberg. Das begünstigt die Trockenheit und Wärme liebenden Pflanzenarten, die für diesen Lebensraum charakteristisch sind. Die Pflanzenkundler sprechen von einem Kalk-Halbtrockenrasen. Um den Schutz dieses Gebietes und um seine botanische Erforschung hat sich die Botanikerin Charlotte Nieschalk bleibende Verdienste erworben.

Wie in den Alpen

Jahreszeitbedingt konnten die zahlreichen naturbegeisterten Teilnehmer der NABU-Wanderung keine blühenden Exemplare der acht heimischen Orchideenarten mehr entdecken. Dazu eignen sich die Monate Mai und Juni. Dafür blühte aber sehr schön der Enzian, dessen Vorkommen man eher in den Alpen vermuten würde. Es handelt sich um den seltenen Fransen-Enzian, dessen Blütenzipfelränder charakteristisch gefranst sind. Der Fransenenzian leidet unter der fehlenden landwirtschaftlichen Nutzung von Halbtrockenrasen. Er bleibt nur erhalten, wenn die Flächen regelmäßig von Schafen beweidet werden. Revierförster Göllner erläuterte in diesem Zusammenhang das Pflegekonzept, für dessen Verwirklichung das Forstamt Bad Wildungen Sorge tragen muss.

Dreizähniges Knabenkraut

Im so genannten Gemeindegraben oberhalb des Eisenbahnviaduktes übernehmen die Tiere eines Buhlener Schafhalters die nötige Pflege. Auf Teilflächen wird auch Heu gewonnen. Im Eschgraben bei Lieschensruh besichtigten die Exkursionsteilnehmer eine gemischte Ziegen­ und Schafherde, die hier die Landschaftspflege gewährleistet. 
Während die Schafe vorwiegend Gräser abweiden, drängen die Ziegen durch Verbiss den Heckenaufwuchs zurück. In diesem Gebiet brütet eine besonders schützenswerte Vogelart, der Neuntöter. Seinen Namen verdankt er dem Aufspießen von Insekten auf Dornen, eine Form der Vorratshaltung für regnerische Tage. Auf Pflegemaßnahmen ist zum Beispiel auch eine Orchidenart angewiesen, die hauptsächlich im Mittelmeergebiet vorkommt, bei uns aber ein isoliertes Verbreitungsareal aufweist. Es handelt sich um das Dreizähnige Knabenkraut. An den offenen Hängen hat diese kleinwüchsige Orchideenart das beste Vorkommen unseres Kreisgebietes. Spiegelbild der reichen Flora des Schutzgebietes ist eine vielfältige Insektenwelt. Allein etwa 200 Schmetterlingsarten konnte Hannover hier nachweisen, da von 47 Rote-Liste-Arten.
Beispielhaft verdeutlichte er interssante biologische Zusammenhänge an einer hübschen kleinen Schmetterlingsart, die denNamen Quendel-Ameisenbläuling trägt. Quendel ist eine andere Bezeichnung für den Thymian, eine alte Heilpflanze, die an den steinigen Netzehängen wächst. Der Thymian ist Futterpflanze für die Raupen des Bläulings. Wenn die Raupen halb erwachsen sind, kriechen sie in Ameisenhaufen, um dort die Larven dieser Tiere zu fressen. Zugleich scheiden aber die Raupen ein sekret (eine eiweißhaltige Flüssigkeit) ab, wovon sich die Ameisen ernähren.

In ornitologischer Hinsicht ist der Eschgraben ein lohnendes Ziel für naturkundlich interessierte Spaziergänger. neben dem Neuntöter kann man hier zum Beispiel dem seltenen Baumfalken, der Turteltaube oder der Waldohreule begegnen.
 

Bald zum "Dicken Kopf"

Die nächste NABU-Wanderung führt in das Waldschutzgebiet Edersee. Am 24. September 2000 geht es in das Naturschutzgebiet "Dicker Kopf" bei Kleinern. Treffpunkt ist um 9.45 Uhr am Parkplatz Standseilbahn bei Hemfurth. Die Anfahrt erfolgt mit der Seilbahn.


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