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Es stand in der HNA Waldeckische Allgemeine am 6. November 2000 (Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion Korbach)

NABU-WANDERREIHE "NATURSCHUTZGEBIETE"

Zum Hutewald im "Paradies"
 

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EDERTAL   Die jüngste Wanderung des Naturschutzbundes (NABU) in der Reihe "Heimische Naturschutzgebiete" führte in das "Paradies". So heißt ein sieben Hektar großes Waldstück in der Gemarkung Gellershausen, Richtung Albertshausen.

Bernd Hannover (Bad Wildungen) stellte den fast fünfzig Teilnehmern den ehemaligen Hutewald vor. Früher wurden im Herbst, wenn Buchen und Eichen Früchte trugen, Schweine und Ziegen in das Waldstück getrieben. Auf diese Waldweide geht heute noch die Bezeichnung "Mast" für den Behang der Waldbäume mit Eicheln und Bucheckern zurück. Insofern handele es sich eigentlich gar nicht um ein Naturschutzgebiet im üblichen Sinne, sondern um ein Kultur-Schutzgebiet, erklärte Hannover. Man könne das "Paradies" auch als ein Denkmal auf Zeit einer früheren Waldnutzung bezeichnen, denn es könne in dieser Form nur bis zum Erreichen der natürlichen Altersgrenze der Baumriesen erhalten werden.
In der Umgebung von Bad Wildungen und Edertal gibt es noch einige dieser alten Hutewälder, so das "Halloh" bei Albertshausen, der Ebachköppel bei Gellershausen, der "Hasenlauf" bei Kleinem und in besonders guter Ausprägung der Hutewald in der Nähe der Braunauer Warte.
Obwohl diese Gebiete ihre Entstehung der Waldweide verdanken, seien die Hutewälder heute mit ihrem hohen Totholzanteil ein wichtiger Lebensraum für eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt, hieß es. Beispielhaft wies Hannover auf die Dornschrecke -eine Heuschreckenart- oder den Abendsegler -eine Fledermausart- hin.
Das "Paradies" befindet sich im Eigentum der Waldeckischen Domanialverwaltung. Es hat die wohl längste Geschichte eines Waldecker Naturschutzgebietes: 
Auf Befehl des Fürsten wurde der Forstbetrieb in diesem Distrikt bereits eingestellt. 1922 beantragte Studienrat Professor Ortloff aus Bad Wildungen die Ausweisung als Naturdenkmal, und der Wildunger Heimat- und Naturforscher Felix Pusch beantragte 1931 die Sicherung als Naturschutzgebiet. Erst 1980 wurde dann auf Drängen des damaligen Kreisnaturschutzbeauftragten Dr. Hans Bossel -ebenfalls Bad Wildungen- das "Paradies" definitiv Naturschutzgebiet.
Revierförster Harald Bamberger (Kleinem) erläuterte die Pflegemaßnahmen in diesem Gebiet. 38 besonders große und alte Bäume (Eichen, Buchen und auch Fichten) wurden kartiert und von aufkommenden anderen Bäumen freigestellt, so wie es bereits Felix Pusch vorgeschlagen hatte. Freigestellt werden auch Wacholderbestände ,sowie Heide- und Heidelbeerflächen. Gleiches gilt für eine Bergkuppe, Felspartien und einen Steinbruch.

Die nächste Wanderung der NABU-Gruppen Edertal und Bad Wildungen führt am kommenden Sonntag, 12. November 2000, in das Naturschutzgebiet "Krautwiese am Wesebach". Treffpunkt ist um 9 Uhr an der Ederauenhalle unterhalb der Mehlener Brücke.

(nh)

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