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Es stand in der HNA Waldeckischen Allgemeinen am 5. Januar 2001 (Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion Korbach)

 

AFFOLDERNER STAUSEE

Nabu: Eldorado für Wasservögel

Zum Stausee von Affoldern führte eine Wanderung des Naturschutzbundes. Damit endete eine Veranstaltungsreihe, in der monatlich ein anderes heimisches Naturschutzgebiet vorgestellt wurde.

EDERTAL    Die Naturschützer der Nabu-Gruppen Edertal und Bad Wildungen nutzten die Wanderung, um das 25-jährige Bestehen des größten Edertaler Naturschutzgebietes zu würdigen. Der 165 Hektar große Stausee ist ein Eldorado für Wasservögel. 34 Schwimmvogelarten konnten die Ornithologen dort beobachten. Das Gebiet hat für Wasservögel keine nennenswerte Bedeutung als Brutplatz, weil sich aufgrund des stark schwankenden Wasserspiegels keine Ufervegetation ansiedeln kann. Umso wichtiger ist der Affolderner Stausee für rastende und überwinternde Wasservogelarten, die meist aus Skandinavien in unsere klimatisch günstigeren Gefilde kommen. 

"Tankstelle" für Vögel

Zu den Existenzbedingungen dieser Arten gehören nicht nur die nordische Brutheimat, sondern auch Gewässer, die als "Tankstellen" die nötige Energie auf dem kräftezehrenden Flug nach Süden liefern, erläutert der Edertaler Nabu-Vorsitzende Wolfgang Lübcke. Für andere Arten sei das Edertal trotz winterlicher Kälte im Vergleich zu ihrem Brutgebiet gewissermaßen "wie Afrika". So hat zum Beispiel der nordische Gänsesäger im Ederseegebiet nach Rhein und Main sein zweitwichtigstes Winterquartier in Hessen. Wenn der Affolderner Stausee zugefroren ist, kann dieser Wasservogel auf die Eder ausweichen. Ahnlich günstig sind die Lebensbedingungen für eine ganze Reihe anderer Wasservogelarten wie die seltene Schellente, Reiher- und Tafelente oder den Zwergtaucher. 

Seit nunmehr 30 Jahren werden im gesamten Ederseegebiet die Rast- und Winterbestände aller Schwimmvögel im Rahmen der europaweiten Internationalen Wasservogelzählung erfasst. Von September bis April zählen die Edertaler Ornithologen einmal monatlich alle Tiere zwischen Herzhausen und Affoldern sowie auf dem Pumpspeicherbecken oberhalb von Hemfurth. 

Die Ergebnisse zeigen nicht nur langfristige Bestandstrends der einzelnen Arten auf, sie belegen auch die überregionale Bedeutung des Naturschutzgebietes "Stausee von Affoldern". Obwohl der Edersee siebenmal größer als der Affolderner Stausee ist, halten sich dort alljährlich nur etwa 40 Prozent der Wasservögel auf, während der Affolderner Stausee mehr als die Hälfte aller im Ederseegebiet erfassten Tiere Lebensraum bietet. 

Gelungener Kompromiss

Lübcke bezeichnete die Ausweisung des Naturschutzgebietes "Stausee von Affoldem" als besonders gelungenen Kompromiss zwischen Naturschutz und Freizeitbelangen. Der nördliche, straßenwärts gelegene Gebietsteil darf vom 16. März bis 15. Oktober mit Booten befahren werden. Das Angeln vom Ufer aus ist dort unter Beachtung der Fischschonzeiten ganzjährig erlaubt. Nicht betreten werden darf der inselartige Damm zwischen Nord- und Südteil. 

Ganzjährige Ruhezone

Der südliche, waldwärts gelegene Abschnitt des Stausees ist ganzjährig Ruhezone. Wie wichtig das für den Artenschutz ist, zeigt Lübcke an einem Beispiel. Seit einigen Jahren hat sich dort ein landesweit bedeutender Mauserplatz von Hunderten Reiher- und Tafelenten entwickelt. Wenn diese Tiere von Juli bis September ihr Großgefieder wechseln, sind sie flugunfähig und benötigen ein Gebiet, wo sie nicht gestört werden. 

Anlässlich dieser letzten öffentlichen Präsentation eines heimischen Naturschutzgebietes zogen Wolfgang Lübcke und Wolfgang Fiedler für die Nabu-Gruppen Edertal und Bad Wildungen eine positive Bilanz. Mit nahezu 600 Teilnehmern der monatlichen Wanderungen, einer ausführlichen Berichterstattung der Presse und Darstellung im Internet (www.nabu-edertal.de) sei es gelungen, die Bedeutung der heimischen Naturschutzgebiete stärker in das Bewusstsein der örtlichen Bevölkerung zu rücken. 

Für das Jahr 2001 kündigt der Nabu eine neue Reihe von Rundwanderungen zum Thema "Natur und Kultur im Kellerwald" an.

(nh)


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