Vogelparadies aus 2. Hand

"Edertaler haben Vogelparadies vor ihrer Haustür"

Unter dieser Überschrift berichtete die Waldeckische Landeszeitung am 22.08.1998 ganzseitig über das NSG "Schwimmkaute bei Mehlen". Durch Kiesabbau entstand Anfang der 80er Jahre zwischen Mehlen und Giflitz eine fünf Hektar große Wasserfläche, umgeben von etwa genauso großen Bereichen, die der natürlichen Entwicklung (Sukzession) überlassen bleiben. Auf dieser relativ kleinen Fläche haben Mitarbeiter des NABU bisher 132 Vogelarten beobachtet. Eine sehr große Zahl, denn im gesamten Kreisgebiet sind in den vergangenen Jahren 252 Arten registriert worden. Also, mehr als die Hälfte aller im Kreis Waldeck-Frankenberg nachgewiesenen Vogelarten auf nur zehn Hektar "Natur-Eldorado" in den Ederauen! Aus ornithologischer Sicht ist somit die "Schwimmkaute" im Kreis das Gebiet mit dem größten Arten-, aber auch Individuenreichtum.
 

Paradies aus Menschenhand
Reiherente, Erpel Am eindrucksvollsten ist das Stelldichein der Schwimmvögel: 33 Arten wurden bisher nachgewiesen. Rekordhalter ist das Bläßhuhn mit 576 Exemplaren. Aber auch von anderen Arten sind bemerkenswerte Zahlen belegt, z.B.:
Pfeifente: 72 
Singschwan: 24
Löffelente: 52 
Zwergtaucher: 42
Zwergtaucher und Reiherenten sind regelmäßige Brutvögel.

Wer z.B. im Kreis Waldeck-Frankenberg Trauerseeschwalben beobachten möchte, hat dazu an der "Schwimmkaute" die beste Gelegenheit. Am ehesten im Mai kann man den eleganten Langstreckenzieher auf seiner Heimreise aus dem tropischen Afrika in seine nördlichen und östlichen Brutgebiete antreffen. Die "Schwimmkaute" liefert offensichtlich viel Energie für den kräftezehrenden Zug.

Neben der vielfältigen Vogelwelt hat die "Schwimmkaute" auch eine reiche Amphibienfauna. An warmen Sommerabenden bietet sich dem Naturfreund ein vielstimmiges Froschkonzert. Hunderte von Wasserfröschen fühlen sich hier wohl. Aber auch der seltene, vom Aussterben bedrohte Laubfrosch hat an der "Schwimmkaute" sein letztes größeres Vorkommen im Kreis Waldeck-Frankenberg.

Günstige Beobachtungsbedingungen bietet eine auf Anregung des NABU am Südufer errichtete Hütte. Ein Holzschild an dem beliebten Ederauen-Radweg weist auf sie hin. Der Besucher findet hier auch Informationen über diese Perle der Edertaler Naturschutzgebiete.

Literaturempfehlung: LÜBCKE, W. (1998): NSG "Schwimmkaute bei Mehlen" (Nordhessen). Jahrbuch Naturschutz in Hessen 3: 156-162


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