Es stand in der HNA Waldeckische Allgemeine am 12. Januar 2000 
(Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion Korbach)

NATURKUNDLICHE WANDERUNG
Von reinem Wasser und Eder-Malaria
Die Nabu-Gruppen Bad Wildungen und Edertal stellten Interessierten die Ederauen zwischen Bergheim und Wega vor.

ANRAFF  Zahlreiche Naturfreunde fanden sich am Sonntag an der Anraffer Ederbrücke ein, um an der Vorstellung des Naturschutzgebietes "Ederauen zwischen Bergheim und Wega" durch die Nabu-Gruppen Bad Wildungen und Edertal teilzunehmen. Die Ausführungen des Edertaler Nabu-Vorsitzenden Wolfgang Lübcke (Giflitz) und des Forstbeamten Franz-Josef Göllner (Wellen) ergänzten Wasserbauingenieur Bernd Hannover (Bad Wildungen) und Karl-Friedrich Gallenkamp (Wellen).

Lübcke gab einen kurzen Abriß zur Geschichte des Naturschutzgebietes Immerhin sei die Eder der sauberste Fluss in Hessen. Bereits 1932 hatte sich der Wildunger Natur- und Heimatforscher Felix Pusch vergeblich um den Schutz einer Kernzone zwischen Anraff und Wega bemüht. Erst 1977 wurden die Ederauen unter Naturschutz gestellt.

Flussbett verlegt

Erinnert wurde an den Wildunger Biologielehrer Eduard Schoof der sich um den Schutz und die Erforschung der Ederauen verdient gemacht hat. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Eder weg vom Anraffer Ortsrand in ihr jetziges Bett verlegt. Das Schilfgebiet am Sportplatz zeigt noch den ursprünglichen Flussverlauf. Für viele Anraffer führte die Versumpfung des alten Ederarmes in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einer gefürchteten Krankheit, der Eder-Malaria. Um deren Bekämpfung hat sich der Wildunger Arzt Dr. Carl Rörig verdient gemacht.

Gravierendstes Problem für das Naturschutzgebiet ist heute das Absinken des Grundwasserspiegels, weil sich der Fluss immer tiefer eingräbt. Heute müssen mit erheblichem finanziellen Aufwand Fehler der Vergangenheit korrigiert werden, so die Nabu-Vertreter.

Göllner berichtete, dass die Fachbehörden zwischen Wega und Bergheim drei sogenannte Sohlgleiten planen, die in den Grenzen des jetzigen Flussbettes den Niedrigwasserstand im Sommer anheben sollen. Es handelt sich um breite Schwellen, die aus großen Flussbausteinen errichtet werden. Diese sollen ständig mit Wasser überströmt sein und die Wanderungen von Wasserlebewesen stromaufwärts ermöglichen.

Ein weiterer Schwerpunkt der Exkursion waren die vom Forstamt Bad Wildungen veranlassten Pflegemaßnahmen. Sensible Bereiche des Gebietes mit seltenen Brutvogelarten sollen vor Störungen bewahrt werden. Dazu wurden einige Zugangsmöglichkeiten verschlossen, auf der anderen Seite aber Lagerplätze angeboten. Ein Ärgernis sei die mutwillige Zerstörung der mit Naturschutzmitteln gebauten Sitzgruppe am ehemaligen Holzlagerplatz zwischen Anraff und Wellen. Mit Nachdruck will sich der Nabu für eine Erneuerung der Anlage einsetzen. 

(nh)
 

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